Was hätte Olbrich darüber gedacht? -
Umstrittener Museums-Neubau auf der Mathildenhöhe
Die Hans-Joachim und Gisa Sander Stiftung möchte das Baufeld des ehemaligen Hauses Christiansen unterhalb des Museums Künstlerkolonie bebauen: Dort soll "zum Wohl der Stadt Darmstadt" ein neues Museum für die Gemäldesammlung der Stiftung entstehen. Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt hatte am 22. Juli 2009 der Vergabe einer Teilfläche von 1.100 Quadratmetern des Grundstücks im Erbbaurecht zugunsten der Stiftung zugestimmt. Inzwischen fand ein Architekturwettbewerb statt, dessen Ergebnisse am 28. Juni im Rahmen eines Pressegesprächs vorgestellt wurden. Gewinner des 1. Preises ist das Architekturbüro Schulz & Schulz aus Leipzig.
Dr. Ralf Beil, Direktor des Instituts Mathildenhöhe, wendet sich gegen Standort des Museums Sander
Nach dem Pressegespräch, bei dem keine Zeit für Fragen der Journalisten vorgesehen war, kam es zu einem überraschenden Ende: Am Schluss verlas Dr. Ralf Beil ein Protestschreiben, das man herunterladen kann. Beil stellt die grundsätzliche Frage, ob der angedachte Bauplatz der Richtige ist. Der Ort, der von besonderer Bedeutung für die Architektur- und Kulturgeschichte ist, solle "ohne Not durch einen Neubau nachverdichtet" werden. Zum einen sei die Fläche für ein Museum sehr klein (1.100 qm Grundstück), zum anderen würde die Sichtachsen auf die Mathildenhöhe zerstört und der Anlage die Großzügigkeit genommen: " Zerstören wir am Ende nicht mehr, als wir gewinnen?" Daher schlägt der Direktor des Instituts Mathildenhöhe einen anderen Standort für das Museum Sander am Osthang der Mathildenhöhe vor, wo eine städtebauliche Notwendigkeit der Schließung einer Lücke existiere. Seine Ansprache wurde vom Publikum mit Bravo-Rufen und lang anhaltendem Applaus quittiert. Auch von den anwesenden Anwohnern war zu hören, dass die Bebauung kritisch gesehen wird und dass sich Widerstand formieren wird: "Wenn dieser bedeutsame Ort bebaut würde, sind ein für alle Mal der schöne Hang und die Blickachsen zerstört."
Begründung der Jury für Entscheidung
Die Stiftung Sander (Sitz: Prinz-Christians-Weg 16) schrieb mit Unterstützung des Architekturbüros HHS Planer + Architekten einen internationalen anonymen Realisierungswettbewerb aus. 19 Architekturbüros aus dem In- und Ausland beteiligten sich. Mitglieder der Jury waren neben den Eheleuten Sander u.a. Prof. Lorch aus Saarbrücken (Vorsitz), Landesdenkmalpfleger Prof. Dr. Gerd Weiß, Planungsdezernent Dieter Wenzel, Denkmalpfleger Nikolaus Heiss, Architekt Mario Bellini sowie die Darmstädter Landschaftsarchitektin Angela Bezzenberger. Das Urteil der Jury fiel einstimmig aus. Der prämierte Entwurf ist von den ausgestellten der Einzige, der das Gebäude in einer dunklen Farbe ausführt: in Braun. Die überwiegenden anderen ausgestellten Entwürfe wählten Weiß mit Glas im Fassadenbereich. In der Begründung heißt es: "Durch die Wahl von Backstein und Kupfer wird die Materialität des Hochzeitsturms aufgegriffen ... Eine weitergehende Auseinandersetzung mit der Frage des Materials ist trotz Anerkennung der präsentierten Lösung erwünscht". Der Kubus im Bauhaus-Stil, der eine sehr einfache und klare Architektursprache aufweist, wird durch einen innen liegenden Luftschacht belichtet. Für ein Museum ungewöhnlich - wird auf eine zusätzliche Tageslichtführung verzichtet. "Dieser für die Ausstellungsfläche nicht optimale Zustand wird als Resultat des aufs äußerst reduzierten Eingriffs in die Landschaft in Kauf genommen". So weist die Fassade des Kubus' nur wenige Einschnitte zur Belichtung auf. "Es entsteht ein Museum von großer innenräumlicher Qualität und eigenständiger Identität." Allerdings sollte die Höhe des Baukörpers nach dem Urteil des Preisgerichts überprüft werden.
Die Öffentlichkeit hat vom 29. Juni bis 11. Juli 2010 (Dienstag bis Freitag von 15.00 bis 18.00 Uhr, Samstag bis Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr) noch Zeit, sich im Ausstellungsgebäude Institut Mathildenhöhe über die genaue Planung zu informieren.
Hier noch der Link zur Pressemeldung der Stadt Darmstadt:
http://www.darmstadt.de/portal/einzelansicht/article/museum-schliesst-luecke-im-ensemble/
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geschrieben werden.
Martina Noltemeier